Sonntag, 5. Februar 2012

# 4

Gestresst hetzte ich die Treppe zu unserem Bio-Raum hoch. 'Scheiße, ausgerechnet bei dem muss ich zu spät kommen.', denke ich mir. "Waaaarte mal kurz, du musst mir doch noch die Daumen drücken!", ertönt die Stimme meiner besten Freundin aus dem Aulavorraum. "Oh ... hey. Was machst'n du noch hier?", murmel' ich ihr zu, während wir uns umarmen. "Na, Mathe-Olympiade. Etwa vergessen?", grinst sie mich breit an. "Ne, nicht vergessen, muss mich nur beeilen, Herr Fischer bringt mich eh schon um! Aber dir gaaanz viel Glück, meine  Lieblingsstreberin!", ruf' ich dir zu, während ich schon die nächste Treppe in Angriff nehme. Ein Blick auf die Uhr, der Unterricht hat schon seit 5 Minuten angefangen. 'Besser kann der Tag ja nicht anfangen.' "AUA, kannst du nicht aufpassen, man!", schnauzt mich aufeinmal derjenige an, den ich gerade fast umgerannt hätte. "Tut mir Leid.", murmel ich, bis ich merke, dass du es warst. "Oh, hey, tut mir wirklich Leid, aber weißt ja, auf Verspätung ist Herr Fischer nicht ganz so gut zu sprechen.", grinse ich dich jetzt an. Ein total schlecht gelauntes "Hm." ist alles was ich von dir zu hören bekomme. "Was'n los?", frag ich dich während du lautstark gegen die Tür unseres Raums hämmerst. Keine Antwort. Du starrst den Boden an. Gerade als ich dich umarmen will, öffnet Herr Fischer uns die Tür und du strümst zu deinem Platz. "Tut uns sehr Leid, aber unsere Bahn hatte Verspätung, durch den Schnee und so.", rede ich auf unseren Lehrer ein, der mir nur mit seinem abwertendem Blick antworte. Ich bahne mir den Weg zu meinem Platz und werfe dir einen Blick zu. Stumm sitzt du da, siehst nicht wirklich glücklich aus. Ich seufze und fange an die Minuten zu zählen, dass die erste Stunde ja schnell zu Ende geht.

Unsere Pausenklingel ertönt, ich packe schnell meine Sachen zusammen und versuche krampfhaft dir zu folgen. Mit so einem Schritttempo, wie heute, hab ich dich noch nie erlebt. "Hey, warte doch mal kurz, Chris.", ruf ich dir zu. Du bleibst kurz stehen, fängst aber sofort wieder an weiter zu laufen. "Bleib doch mal stehen!", schrei' ich dich inzwischen schon an. Du drehst dich zu mir um. "Was?", schnauzt du mich an, "ich hab's eilig!" "Ach, sonst findest du's doch auch nicht so dringend, schnell zum Unterricht zu kommen?", motz ich dich an. Deine schlechte Laune hat sich inzwischen auf mich übertragen. "Was ist denn nur los mit dir?" "Nichts, was soll denn nur los sein.", antwortest du mir, ohne mich nur eines Blickes zu würdigen. "Na, ich merk' doch, dass dich irgendwas bedrückt, dass du ein Problem hast." "Ja, genau, DU bist das Problem!!", brüllst du mich an, und schießt mit Eiltempo davon. Mir steigen die Tränen in die Augen.

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Montag, 23. Januar 2012

# 3

"Na Süße.", kommst du von hinten auf mich zu und umarmst mich ausgiebig. "Na", grinse ich dich an,"Warum so gut gelaunt?" "Bin ich doch immer wenn ich dich seh'.", flüsterst du mir ins Ohr. Ich muss anfangen zu lachen. "Schleim doch nicht immer so rum!", antworte ich dir gespielt böse, aber du weißt genau, wie verlegen du mich damit gemacht hast. Du zwinkerst mir zu und beobachtest mich. "Lachst du mich etwa aus?" "Ne, würde ich nie machen. Ich liebe es nur, wie du immer deine Sachen verlegst um sie dann wieder stundenlang zu suchen.", sagst du zu mir und lächelst mich breit an. "Sehr witzig.", meine ich ironisch und krame endlich etwas essbares aus meiner Tasche raus. "Oh, krieg ich'n Stück?", bettelst du mich mit deinem Hundeblick an. "Nö, ich bekomm' auch nie was von deiner Pizza ab.", zick' ich dich mit einem Lächeln an. "Du hast ja auch noch nie gefragt!" "Ich will nicht betteln. Und außerdem sagen Blicke mehr als Worte." "Ah, und was sagt dir mein Blick grade?", fragst du und setzt schon wieder den Blick auf, dem eh keiner wieder stehen kann, auf. Ich seufze und halte dir mein Twix hin. "Daaaanke!", flüsterst du mir zu und beißt glücklich ab. "Ich auch, ich auch!", kommt meine beste Freundin auf mich zu und beißt gleich mal doppelt so groß ab wie du. "Danke!", grinst sie mich und dich verschmitzt an. "Ich bin einfach zu nett.", fällt mir darauf nur ein und ich werfe einen traurigen Blick auf mein ziemlich geschrumpftes Twix. "Nein, du bist einfach ein Schatz!", fällst du mir um den Hals und drückst mir einen Kuss auf die Wange. 


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Freitag, 13. Januar 2012

# 2

Schreiend schrecke ich aus dem Schlaf hoch. Ich merke wie mir Schweiß über die Stirn läuft und schließe die Augen. 'Was hab ich da gerade geträumt?' denke ich und nehme das dröhnen in meinem Kopf wahr, versuche mich an den abscheulichen Traum zu erinnern.


"Komm Liebes. Wir sind ganz alleine. Keiner da, nur wir zwei. Alleine ...", flüstert mir ein unbekannter, ziemlich abartiger Mann zu. "Du bist süß. Und wunderschön", redet er weiter auf mich ein und streicht mir dabei eine Strähne aus dem Gesicht. Seine Hand gleitet weiter, auf meine Wangen, zu meinem Mund, über meinen Hals. Ich sitze wie versteinert da und fange an zu zittern. "Du brauchst keine Angst haben, mein Engel. Ich tue dir nichts böses, ich will nur etwas ausprobieren mit dir.", atmet er mir fast in mein Ohr und nachdem seine Hand unter meinen Top angekommen war, setzte er noch ein leises, inniges Stöhnen dahinter. Mir wird heiß. Ich merke, wie ich anfange zu schwitzen. Nicht vor Freude - es ist purer Angstschweiß. Er zieht mir Top und Hose aus, fast splitternackt sitze ich da und lass' alles stumm über mich ergehen. Seine ekligen, großen Hände fahren über meinen ganzen Körper, ich würge den Brechreiz runter, und dann dringt er in mich ein - ein brennender, unaufhörlicher Schmerz ist das Einzige, was ich in diesem Moment spüre. Immer weiter befriedigt er seine Lüste mit mir, fängt an brutal zu werden. Eine salzige Träne rollt mir über die Wange - ..." 


Schweißgebaden find ich mich sitzend in meinem Bett wieder. Mein ganzer Rücken ist nass, mein Herz rast. - der dritte Albtraum in Folge, ich brech' in Tränen aus. Alles kam mir so echt vor - mit eine der größten Ängste eines Mädchens hab ich da eben fast real erlebt. Ich schüttel den Kopf. Völlig fertig steh' ich auf, werf' einen Blick auf die Uhr. 2.31 Uhr. Mir ist schwindlig. Langsam setz' ich einen Fuß vor den anderen. Nach gefühlten Stunden erreich' ich endlich die Küche, ein Schluck Wasser. Noch ein zweiter, ein dritter - ich versuch' mich zu fassen. Langsam wird's besser. Kraftlos lass' ich mich auf einen der Küchenhocker fallen und blick' aus dem Fenster. Der Himmel ist klar, vereinzelt sieht man ein paar Sterne. Ich versuche zu lächeln, und muss daran denken, als wir beide bei der Sternenbeobachung mit unserer Klasse und unserer völlig verstrahlten Astronomielehrerin zusammen auf der Wiese lagen, dein Arm um meine Hüfte, mein Kopf an deiner Schulter. Es war so schön. Das erste Mal war er so innig zwischen uns. Ein halbes Jahr bist du jetzt in meiner Klasse und es kommt mir schon vor als wären es Jahre. So, als ob wir uns schon ewig kennen würden.
 Gedankenverloren schau' ich auf mein Handy, Nachricht von dir bei Facebook: "Wollte es dir noch sagen, aber jetzt halt per Nachricht, dein Bild ist mal wieder wunderschön gelungen, Süße ;)" Ich muss grinsen. Komplimente machen kannst du. Und mich völlig verrückt machen dazu.

Donnerstag, 12. Januar 2012

# 1

"Hey! Hier wird nicht geraucht!" .. 'Fick dich', denk ich mir, und zieh weiter an meiner Zigarette. Ich wollte's mir ja abgewöhnen, aber egal - ohne meine Droge geht nichts. "Hallo! Hier wird nicht geraucht, man!", schreit mich dieser kranke, große Typ aus der Bahn an und haut mir meine Kippe aus der Hand. "Halloooooo?!", brülle ich ihm nach, aber da war er schon verschwunden. Na toll. So geht der Tag ja gut los. "Das war meine letzte, danke auch.", murmel ich vor mich hin und versuch' wieder runterzukommen. Sms von 'ner Freundin - "Wo bleibst du? Oder willst du etwa DIE Mathearbeit des Jahres schwänzen? (;" "Nein, kann ich mir ja leider nicht leisten ... -.- 'Nen Moment brauch ich noch, die Bahnen haben grade wieder ihre 5 Minuten. Sag Frau Bach Bescheid, bin gleich da!", hämmer ich mit eiskalten Fingern auf mein Handy ein. Es ist arschkalt. - Nach 7 Minuten hat die Bahn endlich ihren Arsch zur Haltestelle bewegt, zwar wie immer ziemlich stinkend, aber zum Glück war's warm. '7: 50 Uhr - geil, zu spät kommen macht sich ja heute besonders gut'. Ich merke, wie ich nervös werde. Endlich - im Eilschritt steuer ich auf das hässlich, große Gebäude, was sich Schule nennt, zu. Treppe hoch, Gang nach links. Da war ich. Nach gefühlten 100 stundenlangem Klopfen steht endlich meine dicke, kleine und, naja, nicht wirklich gut aussehende Mathe-Lehrerin Frau Bach an der Tür und winkt mich rein. Vorne am Lehrerpult drückt sie mir  dann die Arbeit in die Hand und schmeißt mir ein eh nicht ernstgemeintes "Viel Glück." an den Kopf. 'Kann ich gebrauchen' Ein Pech, dass ich in der ersten Reihe sitzen muss, sonst könnte ich wunderbar meinen sehr ausführlich beschriebenen Spicker benutzen - aber nein, das Schicksal ist auch heute mal wieder gegen mich. Mein Blick streift die Klasse. 'Alle fleißig am Arbeiten, diese Streber', denk ich mir und muss grinsen. Nur der Blick von dir ist der einzige, dem ich begegne. Ich lächle kurz zurück - mach mich dann aber auch mal an's Aufgaben lösen. "f(x)=2-cos(3x+7)-(-18)" Ach, ganz ehrlich Mathe, leck mich doch.
Tiny Hand With Heart